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Konvergenz und Radio

Konvergenz ist als Schlagwort in aller Munde. Aber was heißt das eigentlich? Vom Wortstamm her kommend nicht mehr und nicht weniger als „zusammen wachsen“ oder „verschmelzen“. So führen neue technische Entwicklungen Daten, Bild und Sprache zusammen. Die moderne, sehr leistungsfähige digitale Netzstruktur lässt also bisher getrennte Branchen und Industrien verschmelzen und öffnet die Tür für völlig neue Produkte und Dienstleistungen. Besonders stark sind die Veränderungen in den Informations-, Kommunikations- und Medienmärkten. Telefonieren über das Internet, fernsehen, Radio hören und einkaufen mit dem Handy. Konferenzschaltungen mit Bild und Ton über den Laptop via Internet sind längst Realität und keine Visionen mehr.

Dabei wachsen nicht nur die unterschiedlichen Technologien und Distributionskanäle zusammen, sondern auch die Märkte insgesamt. Und die Entwicklung schreitet in Siebenmeilenstiefeln voran und bietet vielerlei neue Chancen. Es entstehen aber auch elementare Fragestellungen: Wie entwickeln sich Märkte? Wer ist der Initiator? Auf welcher Ebene werden die Entscheidungen getroffen: global, national, regional? Können die rechtlichen Rahmenbedingungen dem Entwicklungstempo folgen?

Mit der Einführung von mp3 zeigt sich, dass sich ein Trend im „Mergen“ oder „Verschmelzen“ von verschiedenen digitalen Technologien in einem mobilen Endgerät zeigt. Die Varianz von einfachen USB-Sticks zur Datensicherung im Office-Bereich hin zum Entertainment-Endgerät mit mp3-Player und Radio steht erst am Anfang. Es existiert weder ein limitierter noch einheitlicher Zugangsweg zu den digitalen Welten, sondern Inhalte und Services werden unabhängig von Netzart und Endgerät. Vormals strikt getrennte Content -Welten wie Office-Anwendungen, Spiele, Navigation, Audio, Video, Telefonie finden in einem Endgerät, z.B. dem Handy, statt. Die digitale Welt wird mobil und verbindet sich kabellos. Aber neben diesem Szenario, in dem die Mobilität im Vordergrund steht, wird das Verschmelzen verschiedener Anwendungen und Technologien auch im häuslichen Bereich Einzug halten. Wenn heute der Computer noch überwiegend im Arbeitszimmer steht und dort für Büroanwendungen und Internetanbindung genutzt wird, steht bald die Multimediabox im Wohnzimmer, über die dann der Einkauf via Internet getätigt, Musik gehört, verwaltet und gekauft bzw. getauscht, ferngesehen und gespielt wird.


Welche Rolle spielt der Hörfunk in diesen sich verändernden Rahmenbedingungen?
In der bisherigen Betrachtung wurde Digital Radio zunächst als optimiertes Radio im Sinne von verbesserter Klangqualität verstanden. Aber Digital Radio ist kein reines Radio mehr, sondern Digital Radio ist eine der günstigsten und zuverlässigsten Technologien für mobile digitale Anwendungen. Es geht also schon lange nicht mehr um optimierten Klang oder besseres Radio und mehr Vielfalt, sondern um eine marktreife Technologie, die kostengünstig und einfach die mergenden bzw. verschmelzenden Digitalwelten vereinigt.

Digital Radio hat unabhängig davon, welche Technologie (DAB, DVB-T, DMB) zum Einsatz kommt, die Chance, Grundtechnologie in vielen digitalen Multi-Options-Geräten zu werden. Hierbei steht für den Nutzer die „Gesamt-Entertainment-Funktion“ in einem Endgerät im Vordergrund. Mit der Folge, dass nunmehr im Umfeld von Digital Radio neue Player agieren und ehemals klar verteilte Bereiche sich auflösen.

Neben den Hörfunkveranstaltern treten Mobilfunkanbieter mit der entsprechenden Endgeräteindustrie, Internetportale, nationale und internationale Verlags- und Medienunternehmen, Spieleproduzenten, Fernsehveranstalter, die Musikindustrie, die Automobilindustrie und viele mehr, in den ursprünglich regulierten Radiomarkt ein. Alle verfügen über Content und suchen neue Distributionskanäle für ihre Produkte. Viele agieren national oder international und verfügen über entsprechendes Know-how und vor allem wirtschaftliche Ressourcen.

Für die Radiobranche gilt es nun, Szenarien und Geschäftsmodelle zu erarbeiten, die der digitalen Zukunft Rechnung tragen. Denn mit der vorhandenen Audio- und Musikkompetenz hat die Radiobranche extrem gute Startvoraussetzungen. Sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die privaten Anbieter können zukünftig davon profitieren. So bietet die Digitalisierung zum Beispiel die Möglichkeit zur Profilierung als Anbieter hochwertig recherchierter anspruchsvoller Information auch für kleinere Zielgruppen, deren spezielle Interessen bislang im formatierten Radioprogramm keine Berücksichtigung finden konnten. Ebenso entstehen neue Wertschöpfungsketten durch neue Geschäftsmodelle mit den Hörern. Die bisherige reine b2b-Vermarktung wird um neues b2c-Geschäft ergänzt. Im Klartext: Es muss den Radiostationen gelingen, den Hörer zum Kunden zu machen. War bislang die Werbewirtschaft und die Platzierung von Werbezeiten die grundlegende Einnahmequelle, ergeben sich nun neue Erlösquellen durch den direkten Kontakt mit dem Hörer – sei es durch einen interessanten inhaltlichen Mehrwert („paid content“, z.B. Downloading, radio/podcast on demand etc. ) oder beispielsweise Call Media (Sender sind an Rückkopplung via SMS oder Anrufen nach Aufrufen zu Gewinnspielen, Votings etc. finanziell beteiligt). Hierbei wird der Hörer als Einzelperson bzw. Konsument transparent. Es ist zwingend nötig, die entsprechende Transparenz und die erforderlichen Vertrauensgrundsätze zu wahren, um die dem Radio eigene starke Hörerbindung nicht zu gefährden.

Denn kein anderes Medium als das Radio ist näher dran am Hörer, von keinem Medium fühlt sich der Nutzer persönlicher angesprochen. Und wer sich persönlich angesprochen fühlt, geht auch in die Rückkopplung. Die Ausgangslage für Radio, dem meistgenutzten Medium in Deutschland, ist von daher sehr gut. Hier liegen die Chancen für Radio am Vorabend der Digitalisierung – jetzt heißt es, diese zu erkennen, wahrzunehmen und neue Wege zu erproben

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