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DAB Digitales Antennenradio (Digital Audio Broadcast)
Digital Audio Broadcasting (DAB) ist ein digitaler Übertragungsstandard für terrestrischen Empfang von Hörfunkprogrammen, der aber auch Kabel und Satellit ermöglicht. Entwickelt wurde DAB im Eureka-147 Projekt der EU in den Jahren 1987–2000 und ging 1999/2000 in Deutschland in den Regelbetrieb. Als erstes Programm nahm Rockland Sachsen-Anhalt Digital den regulären Sendebetrieb auf.

Verfügbarkeit in Deutschland
Die DAB-Sendeabdeckung in Deutschland beträgt 85 Prozent, allerdings sind die Signale oft noch so schwach, dass ein “Indoor-Empfang“ schlecht möglich und Außenantennen notwendig sind. 2006 soll die Sendeleistung verzehnfacht werden, um den „Indoor-Empfang“ zu gewährleisten. Insgesamt gibt es im gesamten Bundesgebiet zwischen 100 und 120 DAB-Programme, wobei viele davon nur lokal zu empfangen sind. DAB ist die derzeit einzige technische Plattform zur Digitalisierung von Hörfunk mit entsprechender Flächendeckung.

Ausbau
Offiziell erklärtes Ziel ist es, den analogen Hörfunk über UKW bis zum Jahr 2010 abzulösen. Aufgrund der derzeitigen Fortschritte wird es allerdings immer unwahrscheinlicher, dieses Ziel in time zu erreichen. Im Zuge auslaufender Förderprogramme sind in jüngster Zeit in Deutschland sogar Anzeichen der Abkehr von Programmanbietern zu beobachten. Vor allem in Norddeutschland stockt der Ausbau, hier liegt das Hauptaugenmerk auf DVB-T (digitales terrestrisches Fernsehen), das prinzipiell auch Hörfunkprogramme übertragen kann das jedoch nur bei stationärem Betrieb des Empfängers. Hingegen wird in Bayern und in der Schweiz der technische Ausbau von DAB zügig vorangetrieben. Zudem hat die DLM (Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten) dem flächendeckenden Radio über DVB-T eine Absage erteilt. Der deutschlandweit erste DAB-Sender wurde 2000 in Bayern installiert. Das ETSI (European Telecommunications Standards Institute) hat DAB als europäischen Standard festgeschrieben. Momentan (Stand 12/05) erzielt das DAB-Netz in Deutschland bundesweit eine technische Reichweite von 85 % der Bevölkerung. Die Europäische Kommission fordert von den Mitgliedstaaten, den analogen Rundfunk bis spätestens 2012 abzuschalten. Deutschland hat sich verpflichtet, dies bis 2010 zu vollziehen. Einzelne Bundesländer haben dies schon in ihre jeweiligen Landesmediengesetze aufgenommen.

Markt
DAB wird in Deutschland überwiegend mit Digital Radio gleichgesetzt – und umgekehrt; beide Begriffe werden in der Literatur synonym verwendet. Allerdings ist diese Bezeichnung irreführend, da es auch diverse andere digitale Verfahren gibt, die zur Übertragung von Radioprogrammen über Satellit, Kabel und terrestrischen Rundfunk dienen und nicht DAB sind. Für den stationären Empfang sind einige dieser Standards sogar wesentlich besser etabliert. Für den mobilen Empfang, insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten im Auto sind diese alternativen Übertragungsverfahren jedoch teilweise gar nicht oder deutlich schlechter geeignet.
Seit 2004 steht für interessierte Verbraucher eine größere Auswahl an Empfangsgeräten zur Verfügung, womit ein ursprünglicher Hemmschuh aus den Anfangsjahren aus dem Weg geräumt wurde. Auch speziell für den Automobilbereich sind verschiedene Modelle zum Nachrüsten verfügbar. Darüber hinaus bieten immer mehr Automobilhersteller den DAB-Empfang bereits werkseitig gegen Aufpreis an. Weltweit wurden etwa 12 Millionen DAB-Empfänger verkauft, in Großbritannien allein davon bislang 2,7 Millionen. (12/05), davon allein fast 500.000 im Weihnachtsgeschäft im Dezember . In Deutschland gibt es zurzeit allerdings gerade einmal etwa 300.000 DAB-Hörer (12/05). Der Verbraucherzentrale Bundesverband rät beim Neukauf eines Radios: „Trendsetter sollten sich für ein Kombigerät (für UKW- und DAB-Empfang) entscheiden“. (September 2005)

Technik
Die Audiodaten der Programme werden bei DAB zunächst mittels MUSICAM mit Datenraten von 32 bis 256 kbit/s codiert. Grundsätzlich ist damit CD-Qualität möglich, wird heute jedoch von vielen Sendern aus Kostengründen nicht realisiert. Für die Übertragung werden mehrere Audiodatenströme mit ebenfalls möglichen reinen Datendiensten zu einem so genannten Ensemble mit hoher Datenrate zusammengeführt. Der so entstandene Multiplex wird mittels „Coded Orthogonal Frequency Division Multiplex“ (COFDM) moduliert. Dieses Verfahren ist im Vergleich zur analogen Ausstrahlung gegenüber Störungen deutlich robuster. Zudem ist es möglich, weite Flächen mit nur einer Frequenz abzudecken. Dadurch ist die Frequenzökonomie, also der Verbrauch von Spektrum je Programm, bei DAB meist deutlich besser.
DAB verwendet in Deutschland zur Übertragung Frequenzen im Band III (174-230 MHz), zumeist den ehemaligen Fernsehkanal 12, sowie im L-Band den Bereich von 1452–1492 MHz. Band III findet Verwendung in den bundeslandweit ausgestrahlten Ensembles, das L-Band wird zur Ausstrahlung "lokaler" Multiplexe genutzt.

Empfangstechnik
Der so aufbereitete und übertragene Datenstrom wird per einfacher Stabantenne vom Digital Radio Gerät empfangen. Der so genannte Viterbi-Decoder sorgt im Empfänger für etwaige Fehlerkorrekturen auf mathematischem Weg. Jeder digitalen Informationseinheit (Bit) werden bereits bei der Ausstrahlung bis zu drei zusätzliche Fehlerschutz-Bits hinzugefügt. Jede ankommende Informationseinheit wird auf ihre Korrektheit hin überprüft und gegebenenfalls korrigiert.

Datendienste
Neben der reinen Audioübertragung sind folgende Datendienste und Typen in DAB bereits spezifiziert:
DLS (Dynamic Label Service): Übertragung von Radiotext-ähnlichen Zusatz-Informationen (Info zum Interpret etc.) mit einem Audioprogramm. Es können maximal 128 Zeichen pro Nachricht übertragen werden.
IP over DAB: Übertragung von IP-Paketen über DAB, damit können IP-basierte Dienste (z. B. Videostreams) auf den Empfänger übertragen werden.
TMC (Traffic Message Channel): Aus RDS übernommene Übertragung von kodierten und stark komprimierten Verkehrsinformationen, die über ein Codebuch wieder in lesbaren Text bzw. Hilfestellungen für Navigationssysteme umgewandelt werden können.
Weitere Services sind problemlos in DAB zu übertragen, da sie über spezielle Verwaltungsinformationen im Multiplex signalisiert werden können.

Vor- und Nachteile DAB
Vorteile:
Störtungsfreier mobiler Empfang bis 240 km/h im Auto nachgewiesen.
Hohe Klangqualität möglich.
Auch Datendienste und Bewegtbildübertragung (Fernsehen) möglich.
Fast bundesweite Abdeckung.
Neuere Übertragungstechniken sind noch frequenzökonomischer.

Nachteile:
Bislang geringe, in der regionalen Verfügbarkeit unterschiedliche Programmauswahl,
da nur wenige neue Programme gegenüber UKW entstanden sind.
Klangqualität wird häufig aus Kostengründen drastisch reduziert
(z.T. sogar schlechter als Analog-UKW).
Geringe Sendeleistung führt derzeit zu Empfangsproblemen in Gebäuden.

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