Statements
Köln, 27. April 2006 - Lutz Kuckuck: „Chancen der Digitalisierung noch stärker wahrnehmen und ergreifen!“
Die Herausforderungen im sich abzeichnenden Strukturwandel für alle Medien-Anbieter - natürlich auch für Radio - sind klar. Unseres Erachtens überwiegen die Chancen für Radio bei weitem die Risiken bei der Digitalisierung. Die Sender produzieren/distribuieren schon seit langem digital. Mit welcher Technik bzw. Technologie dies in Zukunft geschieht, ist im Ergebnis gleichgültig - Radio wird dabei sein.
Dies nicht nur wegen des Riepelschen Gesetzes (kein Medium hat bislang ein anderes ersetzt), sondern auch auf Grund der aktuellen Erfahrungen aus dem englischen Markt, die z.T. bemerkenswerte Trends und Ergebnisse aufzeigen:
Mittlerweile gibt es in UK doppelt so viele digitale Programme wie analoge, die vornehmlich über DAB, D-TV und Internet ausgestrahlt werden. Allein 422 DAB-Programme senden national, regional und lokal (363 kommerzielle, 59 der BBC). Mit der Folge, dass rund ein Viertel der Digitalradio-Hörer angibt, länger Radio zu hören (AMR, European Market Report 2005). Und die DAB-Nutzer in Großbritannien sind mit dem laufenden Programm deutlich zufriedener (TKA 4/05) als die analogen.
Auch wenn es in UK andere Ausgangsvoraussetzungen gab (z.B. vor Digitalisierung vergleichbar kleines analoges Angebot; mehr Mittelwellen-Programme und daher mehr Bedarf nach besserer Empfangsqualität; die BBC erhielt für die Beförderung der Digitalisierung eine zusätzliche finanzielle Ausstattung, die sowohl programmlich als auch technisch und marketingmäßig eingesetzt werden konnte; zentrale Lizenzierungspolitik der OFCOM inkl. Kopplung der AM- und DAB-Lizenzen etc.), sind doch Parallelen und mögliche Konsequenzen für den deutschen Markt erkennbar.
So ist die Digitalisierung auch in Großbritannien erst im zweiten Anlauf zur Er-folgsgeschichte geworden, und zwar nachdem exklusiv für das Digitalradio konzipierte Programme dem Hörer einen echten Zusatznutzen boten. Mit der Folge, dass eine Vielzahl von Endgeräten produziert und auch abverkauft wurden (rund 2,7 Mio. verkaufte DAB-Sets). Ein weiterer deutlicher Erfolgsschlüssel im Fall UK war die medienpolitische Einigkeit und die Bündelung aller Marktaktivitäten über das DRDB/Digital Radio Development Bureau (BBC und Private in Zusammenarbeit mit Geräteherstellern).
Fazit: Wir müssen die Chancen der Digitalisierung noch stärker wahrnehmen und gemeinsam ergreifen. Radio hat gute Startvoraussetzungen, um sich beim schon angebrochenen Strukturwandel in die digitale Welt als vielseitiger Medien-Partner zu positionieren. Damit kann das Medium Radio, das in 2005 so stark wie kein anderes Medium gewachsen war und auch gut ins Jahr 2006 gestartet ist, von diesem Aufwind nachhaltig partizipieren.