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Textliche Zusammenfassung der Ergebnisse und Standpunkte

Wie innovativ und innovationsfähig ist Radio? Wie sollte sich die Radiobranche angesichts der rasanten technischen Entwicklungen und künftigen Nutzerpräferenzen aufstellen? Unter der Moderationsleitung von Stefan Krüger, Chefredakteur w&v, diskutierten auf dem Panel der Radiozentrale zu den Medientagen München 2006 hochkarätige Marktpartner und Branchenvertreter die digitale Zukunft von Radio:

Lutz Kuckuck, Geschäftsführer der Radiozentrale, sieht die große Chance aber auch eine Herausforderung für Radio darin, seine massenmediale Stärke mit den neuen individuellen Nutzungspräferenzen zusammen zu bringen. Dabei muss es dem Radio also gelingen, sich ein Stück weit neu zu erfinden und gleichzeitig seine Kernkompetenzen zu erhalten. Gerade Radio habe beste Voraussetzungen, auf dem Weg von analog zu digital neue Nutzungspotentiale zu erschließen. Als Beispiel nannte er: Ein Viertel der Besitzer von MP3-Playern nutzen ein halbes Jahr nach Kauf des Geräts den Navigator Radio für neue Aufspielimpulse mehr als jemals zuvor. Auch für Philipp von Martius, Geschäftsführer Studio Gong, steht fest: Radio kommt gut in die digitale Zukunft, denn Radio sei sozusagen der ältere Bruder der Dialogmedien, weil längst erfolgreiche Community-Bildung betrieben werde. Seiner Meinung nach habe Radio die größte Fähigkeit, auf neue Trends zu reagieren. Schließlich brauche Funk nur wenige Strukturen, so dass Veränderungen schnell umsetzbar seien.
Ludger Lausberg, Geschäftsführer der Bayerischen Rundfunkwerbung, sieht für Radio ebenfalls ideale Voraussetzungen für die digitale Zukunft, da sich neue Medien wie Podcast bestens mit Radio verbinden ließen. Eine hervorragende Marktposition bedeute aber immer auch, dass es viel zu verlieren gebe. Sein Credo: „Gute und starke Marken setzen sich durch. Radio muss für die Hörer weiter seine Leadfunktion ausüben, also neben der Musik vor allem Content und Orientierung bieten!“ Ludger Lausberg verwies darauf, dass derzeit 90 Prozent der via Internet abgerufenen Radioprogramme auf die etablierten Radiomarken entfielen.
Dr. Mathias Oldhaver, Leiter Unternehmenskommunikation der Versicherungsgruppe DBV Winterthur, rät den Medienmarken, ihre Stärke ähnlich den Produktmarken im Online-Geschäft auszuspielen. Auch wenn z.B. im Online-Blumenhandel Start-Ups zunächst die Nase vorn hatten, florierten letztendlich die Fleurops dieser Welt.
Tim van Dyk, Director Business Development Warner Music Germany, lobt die „vielleicht sogar beste regionale Kompetenz“ der Radiomarken, weist aber auf die im Internet nationale/internationale Konkurrenz durch die zunehmenden IP-basierten Dienste hin. Die „Pandoras und lastFMs“ werden Kompetenzen anbieten, die sehr stark „radiogetrieben sind“ – bis hin zum Wetter. Die Radiosender müssten in ihren Internetauftritten die Usabilities, Services und Zusatzmöglichkeiten von Anbietern wie Pandora und Co. aufgreifen.
Wolfgang Schuldlos, Managing Director Zenithmedia München, erwartet mit Spannung die neue Wettbewerbssituation im Web, die zu einem Verdrängungswettbewerb aber auch zu einer stärkeren Ausdifferenzierung bei den Radiosendern führen könnte. Für die Werbewirtschaft sei es zunehmend wichtig, Communities im Internet zu bilden und anzusprechen und diese im zweiten Step massenmedial zu verstärken.
Daniel Adolph, Geschäftsführer von Jung von Matt/Neckar, rät den Hörfunkern mit Blick auf die ganz junge Zielgruppe eindringlich, sich ähnlich dem TV-Kanal MTV neben der Musik innovative Standbeine zu sichern. Als ein solches wegweisendes Projekt bezeichnete er den bigFM2see-Piloten, an dem Jung von Matt als Kreativagentur mitarbeite. Eine solche communitybildende und generationsprägende Funktion biete Radio Chancen im digitalen Zeitalter. 
Erwin Linnenbach, Sprecher der Geschäftsführung der Beteiligungsgruppe Regiocast, forderte die eigene Zunft auf, noch stärker als bisher auf die veränderte Nutzungssituation einzugehen. Wenn in U-Bahn und am PC Audio genutzt werden könne, müsse Radio dabei sein. Von den Zugewinnen der Audionutzung gerade der 14- bis 29jährigen in den letzten fünf Jahren habe Radio bislang nicht adäquat profitieren können. Wichtig sei, dass die Digitalisierung hier von den Radiosendern als Chance und nicht als Bedrohung gesehen werde – aber da sei die deutsche Radiobranche auf einem guten Weg.
Und Radio NRW-Geschäftsführer Hartmut Gläsmann plädierte dafür, dass die Radioszene ihre Konzepte unbescheidener darlege, damit aus dem starken Substanzwert von Radio auch ein Erwartungswert werde. Denn die Kraft der derzeit gefeierten Marken wie „youtube.com“ basierten ausschließlich auf Projektionsflächen von Erwartungen.


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