Radio – das Verbindungsmedium für den Alltag
Zusammenfassung
| Urheber |
ARD-Werbung Sales & Services |
| Zielgruppe |
Bevölkerung 14-69 Jahre |
| Fragestellungen |
Warum nimmt Radio die Rolle als „Alltagsbegleiter“ ein?
Was macht den Reiz und die Faszination des Radios aus? Welche Funktionen hat das Medium im Alltag der Hörer?
Was zeichnet Radio im Vergleich zu anderen audiovisuellen Medien aus?
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| Erschienen |
2007 |
| Land |
Deutschland |
Zielsetzung
Radio ist ein ständiger Begleiter durch den Tag. Anders als beim Fernsehen, bei dem die Zuschauer ein Abtauchen aus der Dynamik des Lebens suchen, oder anders als beim Internet, das die ganze Aufmerksamkeit des Nutzers erfordert, ist das Radio ein Medium für den ganzen Tag. Die Studie untersucht, wie die Funktionen des Mediums im Alltag der Hörer genau aussehen. Was macht den Reiz und die Faszination des Radios aus?
Die Rolle des Radios
Radio hat eine sehr hohe Lebensnähe. Es begleitet nicht nur durch den Tag, sondern prägt ihn für seine Hörer, teilweise ohne, dass es diesen bewusst wird. Die Wirkung von Radio auf den Alltag der Hörer und seine tiefenpsychologische Rolle verleihen dem Medium ein besonderes Gewicht. Radio kann im Alltag wesentlich einfacher genutzt werden als viele andere Medien.
Studienergebnisse
Psychologisch betrachtet dient Mediennutzung im Alltag der Behandlung von Unruhe, Unerledigtem und seelisch Überschüssigem. Medien können als permanent verfügbare Alltagstherapeuten helfen, seelische Verkrustungen aufzulösen und unerledigte „Tagreste“ zu behandeln.
Ein für die Mediennutzung wichtiger Trend ist die schleichende Auflösung klarer und unterscheidbarer Alltagsverfassungen, denn die Menschen erleben heute zunehmend einen fragmentierteren Alltag – ein so genanntes Verfassungsflimmern: Dies äußert sich im Gefühl, „auf mehreren Hochzeiten zu tanzen“ oder einer wenig produktiven, richtungslosen, unbefriedigenden Betriebsamkeit oder dem Gefühl von „auf-der-Stelle-treten“, „sich-verlieren“ oder „kein-Ende-finden“. Der Alltag verliert durch das Verfassungsflimmern seine Strukturierung in unterschiedliche, klar abgegrenzte Phasen. Medien bieten dem Nutzer nun an, sich einbinden zu lassen und dem Alltag eine Richtung zu geben. Auch und gerade durch Radio lässt sich das Verfassungsflimmern behandeln: Man kann eine unangenehme Unruhe loswerden und sie sogar vorbeugend gar nicht erst aufkommen lassen. Leerstellen im Alltag lassen sich überbrücken, um Gefühle wie Langeweile, Einsamkeit oder gar Sinnlosigkeit zu vermeiden.
 | Was wäre ein Alltag ohne Radio? |
Ohne Radio gäbe es „mehr und weniger“ zugleich: Einerseits würden in bestimmten Situationen Dinge wie Unruhe, Leerstellen, beunruhigende Alltagsfragmente, Sinnfragen oder Explosives hochkommen. Ohne Radio würden jedoch gleichzeitig Dynamik, Schwung, Höhen und Tiefen, Witz, Gefühle von Vertrautheit und Eingebundensein fehlen. Radio entfaltet im Alltag seine Wirkung als Schutzmacht.
 | Welche psychologischen Funktionen übernimmt das Radio im Alltag? |
Das Radio begleitet Tätigkeiten, die einen Übergang erfordern (Aufstehen, Tagesplanung, Pausen…) und unterstützt laufende Tätigkeiten (Autofahren, Routinetätigkeiten, Hausarbeit, Internetnutzung…). Dabei verbindet es Verschiedenes miteinander und strukturiert Alltagsfragmente. Es erfüllt seine Funktion der Schutzmacht als Verbindungsmedium und stiftet so Zusammenhang.

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Radio verbindet
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 | Wie sieht der besondere psychologische Mechanismus der „Alltagsbehandlung“ aus? |
Über alle verschiedenen Verfassungen des Tages hinweg schafft Radio eine umfassende Beruhigung, schützt vor alltäglicher Unruhe und stiftet Zusammenhänge zwischen Hörer und Außenwelt. Es verwandelt ein fragmentiertes Hintergrundrauschen in eine zusammenhängende, beschwingte, strukturierte Dynamik. So entsteht eine beruhigende Normalität im Alltag. Radio wird zur „Tonspur“ des Alltags.
 | Was unterscheidet Radio von den Konkurrenzmedien? |
TV und Internet fördern ein Ausscheren aus dem Alltag, ebenso wie Tageszeitungen, da die Aufmerksamkeit ganz auf das Medium gerichtet wird und eher mit einem Rückzug aus der Umgebung einhergeht. Eine ähnliche Abschottung wird auch bei der Nutzung von Tonträgern (mp3, CD) gesucht, auch wenn hier die Beweglichkeit höher ist. Beide dienen als Ausgrenzungsmedien. Im Vergleich dazu ist Radio ein „offenes Medium“, das Unerwartetes anbietet und für wechselnde Stimmungen und Verfassungen geeignet ist.

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Radio vs. Rückzugsmedien
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Fazit
Der Alltag der Menschen verliert zunehmend an Strukturierung und klar abgegrenzten Phasen.
Fast jeder Mensch „tanzt auf mehreren Hochzeiten“, die Arbeits- und Freizeitwelten verschwimmen, und die einzelnen Phasen des Alltages gehen fließend in einander über.
Radio wirkt dabei wie ein Bindeglied. Es verlangt kein Abschotten von der Umwelt, wie es zum Beispiel das Fernsehen, die Internetnutzung oder das Zeitungslesen erfordern.
Radio kann durch den Tag begleiten, Übergänge sichern und ausgestalten. Dabei verbindet es das „Ich“ und die „Welt“ miteinander.
Radio hat eine hohe Lebensnähe und dadurch eine wesentlich höhere Alltags-tauglichkeit als viele andere Medien.
Radio ist Alltag. Durch die Handlungsnähe kann Radiowerbung eine starke Wirkung entfalten. Werbung im Radio dient der unmittelbaren Handlungsvorbereitung. Sie kann Marken und Produkte für den Verbraucher als Begleiter und als Strukturierungshilfe für den Tag attraktiv werden lassen.
Steckbrief der Studie