Summary Roadmap "Radio 2012"
Im Zeitalter der Medienkonvergenz werden die Konsumenten zunehmend weniger nach On Air, Online und mobilen Nutzungsgewohnheiten unterscheiden. Sie wollen ihre Inhalte überall und jederzeit parat haben. Dies hat zur Folge, dass die Radiosender ihr Spektrum an Content- und Distributionskanälen erweitern – also auf allen Wegen zum Nutzer kommen müssen. Gerade die Jungen nehmen Radio/Audio bereits in ihre Lebenssituationen mit. Längst ist der Audioallrounder auf dem Schulweg, beim Joggen etc. mit dabei, via Handy, Internet und Mobile. Die aktuelle Welle der JIM-Studie bestätigt bereits, dass 33 Prozent der 12-19jährigen angeben, auf den neuen Empfangswegen mehr Radio zu hören.
Für eine zukunftsgerichtete Radiostrategie sind daher Online- und mobile Angebote integraler Bestandteil. Denn in der besonders guten Vernetzbarkeit durch die Parallelnutzung und die crossmediale Partnerschaft (Radio als Impulsgeber und Navigator, Internet mit vertiefenden Informationen und Aktionen) liegt eine besondere Zukunftschance für Radio. Auch die Werbewirtschaft partizipiert von diesem Doppel. Denn Online-Werbeinvestitionen sind durch einen Mixansatz mit Radio noch effektiver (RAEL-Studie RAB USA; Radio and the Internet: Powerful Complements for Advertisers).
Radiosender müssen also ihre Online-Präsenz strategisch als wichtigen Interaktionskanal mit ihrer Zielgruppe begreifen. Die Kompetenzattribution hinsichtlich Musik, aktueller und regionaler Informationen ist hoch. Die Sender kennen ihre Hörer seit Jahren und wissen, wie man Inhalte (auch User Generated Content) medial und auditiv aufbereiten muss. Sie müssen ihre redaktionelle (Audio-) Kompetenz, die viele „neue“ Konkurrenten nicht aufweisen, ausspielen. Eine intelligente Kombination der redaktionellen Kompetenz mit der „Weisheit der Massen“ schafft einen Wettbewerbsvorteil und schont Ressourcen.
Die Sender sind dabei, diese Stärken durch geeignete Angebote glaubwürdig ins Netz zu transferieren – ob durch Kooperationen mit Radiosendern bzw. externen Partnern oder durch die Entwicklung eigener Angebote. Das hängt vom jeweiligen Radioangebot und -markt ab. Die lange Tradition der Hörerclubs offline bietet auch online hervorragende Startvoraussetzungen für die Interaktion mit dem Hörer innerhalb von Community-Features. Der Freund und Tagesbegleiter Radio, sozusagen die Mutter aller Mediencommunities, genießt hohes Vertrauen und aktiviert daher auch Zielgruppen, die nicht zu den First Movern im Web gehören. Die ersten Schritte sind gemacht – nun heißt es, die Hörerwünsche zielgerichtet umzusetzen, um von den neuen Chancen in der digitalen Welt auch profitieren zu können.
Der Aufbau multimedialer Radiomarken ist oberstes Gebot, denn bei der Vielfalt der Inhalte und Angebote ist eines klar: Menschen folgen bekannten Marken. Die starken Medienmarken bieten Unternehmensmarken hier eine geeignete multimediale Plattform. Dabei fordern die Marktpartner eine stärkere themenbezogene Sichtweise. Oder anders formuliert: ganzheitliche crossmediale Konzepte statt kanalorientiertes Vorgehen. Radiosender können dies mit ihren vorhandenen Kontakten on air, online und off air bestens bedienen und sogar aktiv vorantreiben. Diese guten Startvoraussetzungen müssen wir konsequent nutzen – und das in den nächsten zwei, drei Jahren. Sonst ist das derzeit geöffnete Window of Opportunity geschlossen.