Radio Summit: Routenplaner 2012: Im Gespräch mit Panelteilnehmer Andreas Arntzen, Madsack/radio.de
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 Andreas Arntzen, Geschäftsführer Madsack/radio.de
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RZ:
Herr Arntzen, Sie nehmen als Experte an der Kernveranstaltung für Hörfunk bei den Medientagen München, dem "Radio-Summit - Routenplaner 2012", teil. Wo geht Ihrer Meinung nach die digitale Reise hin für das klassische Radio?
Andreas Arntzen: Die Radioindustrie steht durch die Digitalisierung und die veränderte Mediennutzung vor einem großen Umbruch. Durch das Zusammenwachsen des klassischen Radios mit dem Internet entstehen große Chancen: der Aufbau neuer Programmmarken, mehr Programmvielfalt, zielgruppenspezifische Angebote und damit eine stärkere Hörerbindung, neue Formen der Vermarktung und Distribution und damit eine Verlängerung der Reichweite.
RZ:
Wie kann Webradio massenmarktfähig werden?
Arntzen: Grundvoraussetzung für die Massenmarktfähigkeit von Webradio ist der einfache Zugang für die Nutzer. Entscheidend ist, dass die Nutzer die für sie relevanten Sender in der unüberschaubaren Vielfalt der Audioinhalte überhaupt finden. Dazu kommt die steigende Nutzung über mobile Geräte als wichtiger Wachstumstreiber. Hier setzt radio.de an und bündelt die Vielfalt des hörbaren Internets für einen einfachen Zugriff. Ohne die Installation spezieller Software sind alle Inhalte direkt im Browser und künftig über mobile Endgeräte wie das Handy oder stationäre Internetradiogeräte in den Haushalten zugänglich.
RZ:
Von welchem Zeithorizont sprechen wir da? Zukunftsmusik oder (nahe) Realität?
Arntzen: Nicht nur die Nutzerzahlen auf radio.de, sondern auch die allgemein steigende Nutzung von Webradio belegen die steigende Nachfrage im Markt. Allein im September gab es auf radio.de mehr als drei Millionen abgespielte Sender, bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 1,5 Stunden. Insgesamt steigt die Parallelnutzung von Audio und Internet rasant. Allein im vergangenen Jahr nutzten mehr als 23 Prozent aller Onliner (zumindest gelegentlich) Internetradio und hörten im Schnitt 98 Minuten. (ARD-ZDF Online Studie 2008). Neben der Nutzung über den PC steigt die Nutzung über mobile- und weitere stationäre Endgeräte. Der steigende Abverkauf des iPhones, von Home-Entertainment-Systemen wie der Nintendo-Wii, aber auch von WLAN-Radios, z.B. über Tchibo, belegen diese Entwicklungen.
RZ:
Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich daraus für die Audiovermarktung?
Arntzen: Durch die Digitalsierung entstehen für die Radioindustrie innovative und effektive Formen der Vermarktung. Bei der Vermarktung des hörbaren Internet ist gerade die Nutzung des Audiokanals von entscheidender Bedeutung, Display Ads sind eher untergeordnet.
Gerade durch seine Programmvielfalt ist Webradio ein besonders attraktives Medium für die genaue Zielgruppenansprache, z.B. über Geotargeting. Dabei stehen nicht mehr nur bestimmte Genres, sondern die Hörer selbst im Fokus, die aufgrund geographischer Gesichtspunkte genauer lokalisiert werden.
RZ:
Welche Vermarktungsstrategie verfolgt radio.de?
Die Basisfunktionalitäten auf radio.de sind für Hörer und Content-Partner kostenfrei. Zentrale Erlösquelle ist die Audiovermarktung. Darüber hinaus bietet radio.de den verschiedensten Anbietern von Audio-Content vielfältige Distributions- und Vermarktungsangebote. Diese richten sich an Radiosender, Labels, Künstler, Medienhäuser und weitere Marken im Rahmen von Branded Entertainment. Weitere Erlösquellen entstehen aus Display Ads, Einnahmen aus E-Commerce-Verkaufsprovisionen, Content-Produktion oder Hosting.
RZ:
Wie kann sich Radio/Audio im Zeitalter der Medienkonvergenz vom kanalorientierten hin zum crossmedialen Werbepartner positionieren?
Arntzen: Das klassische Radio muss sich der veränderten Mediennutzung anpassen und seine Stärken mit denen des Internets verbinden. Gerade im Internet kann Radio seine Position als Navigator und Tagesbegleiter Nummer 1 noch weiter ausbauen, da sich Internet und Radio/Audio ideal zur Parallelnutzung eignen. radio.de bündelt Radiosender und weitere Audioinhalte für einen einfachen Zugriff und schafft damit einen wichtigen Ausgangspunkt für neue Formen der Audiovermarktung. Dabei orientiert sich Werbung künftig an den unterschiedlichen Nutzungssituationen, z.B. durch die Kombination von Audiowerbung mit visuellen Werbeformen. Zudem ist die Werbewirkung bei Webradio direkt messbar.
RZ:
Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach künftig Personalisierungsfunktionen, Community, Interaktivität etc.?
Es gibt eine Nachfrage sowohl für personalisierbare Inhalte als auch für formatierte Radioprogramme und beide werden auch zukünftig ihre Berechtigung haben. Entscheidend ist, dass Inhalte - ob User Generated Content oder klassische Programme - überall erreichbar sind: über mobile Endgeräte wie das iPhone, in Communities oder die Nintendo Wii im Wohnzimmer.
RZ: Vielen Dank für das Gespräch.