Hintergrund der Studie

Die aktuelle Studie der EBU (Europäische Rundfunkunion)zeigt, dass Radio unter allen klassischen Medien europaweit das höchste Vertrauen in der Bevölkerung genießt. Besonders hoch ist das Vertrauen in Radio in Deutschland.

Im Zeitalter der Medienflut ist Vertrauen ein wichtiger Faktor in der Beziehung zwischen den Medien und ihrem Publikum. Die Messung des Vertrauens ist daher von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, die Wahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger in Bezug auf das Mediensystem im Allgemeinen sowie Medienunternehmen und ihrenProdukten gegenüber zu verfolgen.

Zusammenfassung der Ergebnisse

Nachfolgend werden die für das Medium Radio und für die deutsche Medienlandschaft  wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammengefasst:

  • Ein Vergleich mit dem Vertrauen der Bürger:innen in andere Institutionen rückt das Vertrauen in die Medien in die richtige Perspektive: Während das Vertrauen in die Medien auf den ersten Blick gering erscheinen mag, zeigt ein Vergleich, dass den klassischen Medien ein höheres Vertrauen entgegengebracht wird als politischen Institutionen.
  • Von den gemessenen Institutionen vertrauen die EU-Bürger:innen nur der Armee und der Polizei ihres Landes mehr als dem Radio. Das Fernsehen ist mit der Europäischen Union gleichauf.
  • Das Internet schneidet etwas besser ab als nationale Regierungen und Parlamente, während nur politischen Parteien noch weniger Vertrauen entgegengebracht wird als sozialen Netzwerken.

  • Radio ist das vertrauenswürdigste Medium in Europa und erreicht in 24 von 37 Ländern (65 %) den höchsten Wert.
  • Fernsehen genießt in sieben Ländern (19 %) das größte Vertrauen: Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Island, Italien, Nordmazedonien, Rumänien und die Türkei.
  • Das Internet genießt in Griechenland, Ungarn, Polen und Serbien das größte Vertrauen, die Presse in den Niederlanden und Albanien. In Luxemburg sind Presse und Radio gleichermaßen vertrauenswürdig. Nirgendwo auf dem Kontinent sind die sozialen Netzwerke das vertrauenswürdigste Medium.

  • 70 % der Menschen in Deutschland vertrauen Radio – weit vor den anderen klassischen Leitmedien.
  • Nur 12 % der Menschen in Deutschland vetrauen den Sozialen Medien.

  • Radio ist das Medium, dem die EU-Bürger:innen am meisten vertrauen (58 % der Bevölkerung).
  • Jeweils die Hälfte der EU-Bürger vertraut dem Fernsehen und den Printmedien.
  • Das Internet und insbesondere soziale Online-Netzwerke sind auf EU-Ebene die Medien, denen am wenigsten vertraut wird. Weniger als 20 % der EU-Bürger:innen neigen dazu, sozialen Netzwerken zu vertrauen.

Definitionen und Datenerhebung

Was ist Vertrauen?

  • Vertrauen ist die Wahrnehmung einer Person in Bezug auf die Zuverlässigkeit anderer Personen und Institutionen und das Ergebnis sozioökonomischer Bedingungen, Bildung und langjähriger Wahrnehmungen.
  • Medienorganisationen können das Vertrauen mittel- und langfristig steigern, indem sie sich für Glaubwürdigkeit und Authentizität einsetzen.
  • Die Ergebnisse werden jedoch nicht nur von ihren Leistungen und Werten abhängen, sondern auch von externen Faktoren, die sich der Kontrolle der Organisationen entziehen, wie z. B. kulturelle oder wirtschaftliche Faktoren.
  • In Organisationen mit erheblicher gesellschaftlicher Relevanz, wie z. B. in öffentlich-rechtlichen Medien, ist Vertrauen auch mit sozialer Verantwortung verbunden.

Wie wird es gemessen?

Es gibt mehrere jährliche Studien, die den Grad des Vertrauens in die Medien messen. Für diesen Bericht wurden die Ergebnisse des Standard-Eurobarometers verwendet.
Dabei handelt es sich um:

  • Eine Meinungsumfrage der Europäischen Kommission, die derzeit von Kantar durchgeführt wird.
  • Es handelt sich um eine Analyse der öffentlichen Meinung zu einer Reihe von Themen, z.B. zum Image der Europäischen Union, zur wirtschaftlichen Lage oder zu den wichtigsten Anliegen der Bürger:innen.
  • Die zweimal jährlich erscheinende Herbstausgabe enthält Untersuchungen zum Vertrauen in die Medien und andere Institutionen.
  • Jede Ausgabe basiert auf etwa 1.000 persönlichen Interviews in 33 Ländern (EU-Staaten sowie Beitritts- und Kandidatenländer), wobei die Befragten mindestens 15 Jahre alt sind. Die 94. Ausgabe, die diesem Bericht zugrunde liegt, konnte jedoch aufgrund der COVID-19-Sanitärkrise nicht in allen erfassten Ländern persönlich durchgeführt werden. Stattdessen wurden in einer Reihe von Ländern Online-Interviews durchgeführt. Daher müssen die Jahres- oder Langzeitvergleiche, die im diesjährigen Bericht angestellt werden, wegen möglicher Einschränkungen aufgrund der veränderten Stichprobenziehung vorsichtig interpretiert werden.
  • Verfügbar unter https://europa.eu/eurobarometer/surveys/latest

Methodik

Dieser Bericht basiert in erster Linie auf Daten aus der 94. Standard-Eurobarometer-Umfrage, aus der der Netto-Vertrauensindex abgeleitet wird. Die 94. Erhebungswelle wurde im Februar-März 2021 in den 27 EU-Mitgliedstaaten, den fünf Kandidatenländern sowie dem Vereinigten Königreich und erstmals auch in Bosnien-Herzegowina, Norwegen und der Schweiz durchgeführt. Island ist seit 2014 zum ersten Mal wieder dabei.
Wegen der COVID-19-Pandemie wurde diese Erhebungswelle ausnahmsweise im Winter (Februar-März 2021) und nicht im Herbst 2020 durchgeführt. Daher sind für das Vertrauen in die verschiedenen Mediengattungen keine Daten für 2020 verfügbar.